Die Ego Inception – Wie man mit guter Absicht unbewusst das Leid verstärkt

Derzeit bin ich dabei das Buch „Eine neue Erde“ von Eckart Tolle zu lesen und ich habe mir viele Gedanken über das Ego gemacht und mich und das Ego hinterfragt. Dabei ist mir beim Ego viel konkreter als sonst ein Paradox klar geworden, welches ich kurzerhand die „Ego Inception“ getauft habe und hier mit euch teilen möchte.

Keiner will das „böse“ Ego

Wer einmal Eckart Tolles Worte gelesen hat, weiß, dass es ratsamer ist das Ego zu „überwinden“ (da es unnötiges Leid erzeugt), in dem man im Hier und Jetzt lebt. Das Ego ist verantwortlich für Leid, doch auch „ohne“ Ego wird es Leid geben, es ist nur dann ganz anders (dazu später mehr).

Ist das Ego wirklich so böse?

Mir ist eines Tages aufgefallen, dass das Ego nicht nur uns Leid beschert, sondern auch uns vor Leid schützt. Durch das Ego tun wir dann gute oder böse Dinge um die Scham anderer und unserer nicht zu berühren. Wir kreieren dabei neues Leid um ein tiefes Leid nicht aufzudecken. In der Tat nicht wirklich clever, aber es ist vom Ego wirklich gut gemeint. Es fühlt dass wir nicht stark genug sind um die Wahrheit zu verkraften, wir würden an der Wahrheit kaputt gehen. Um das zu verhindern lässt sich das Ego entweder überfreundliche oder mega assi Sachen einfallen um diese Wahrheiten bei sich und anderen nicht zu berühren.

Gut gemeint, aber es gibt da eine Problem…

Das große Problem beim Ego ist, dass es neues Leid kreiert um altes, tiefes Leid zu verstecken. Ein wahrer Teufelskreislauf, der sogar schlimmer wird, wenn man versucht dem Ego zu entkommen. Hat man erst einmal begriffen was das Ego ist und was es verursacht, dann möchte man sich von ihm lösen.

Die Ego Inception

Doch in dem man im Bewusstsein den Punkt erreicht hat dem Ego Ade zu sagen, entwickelt sich ein neues Ego bzw. eine neue Stufe des Egos. In dem man es loswerden will, stärkt man es – das ist die Ego Inception. Der neue Gedanke sich vom Ego zu entkoppeln, bindet einen nur noch stärker daran.

Der Sinn des Egos

Du willst im Hier und Jetzt leben? Du willst weniger denken? Dann denk nicht daran weniger zu denken, denn damit fütterst du nur das Ego. Das neu erschaffende Ego ist ein Ego welches sich selbst zerstören möchte. Denn das ist der Sinn des Egos – Zerstörung (Leid).
Jetzt könnte man sagen „Ohwei, Zerstörung, das ist nicht gut, das ist schlecht, so was will ich nicht!“ Aber ist das wahr? Vielleicht möchte ich ja Zerstörung? Das Wort „Zerstörung“ hat einen ziemlich negativen Touch und daher fällt es uns auch sehr schwer etwas Gutes darin zu sehen.

Zerstörung = Leid

Umso mehr wir die Zerstörung/Leid ablehnen umso stärker wird sie. Haben wir einmal ganz bewusst und fühlend die Zerstörung gespürt, dann kann sie integriert werden. Dann, wenn wir in der Lage sind die Zerstörung zu lieben, wird sie aufhören. Später kann man dann auch Zerstörung als Beendigung von etwas sehen. Es ist oft sehr notwendig Dinge im Leben zu „zerstören“, also zu beenden.

Wer liebt, der leidet

In Leid steckt so unendlich viel Liebe, wenn du es nur einmal sehen kannst, verstehst du warum es keinen Sinn macht das Leid zu verteufeln. Wenn du fähig bist dein eigenes Leid liebend anzunehmen bist du eins mit dir und der Welt. Das Ego möchte dass du das Leid bekämpfst, die Liebe möchte es einfach nur lieben. Entscheide für dich was sich stimmiger anfühlt. Hierzu ein Mini-Frage-Test:

Was denkst du hilft einer leidenden Person am meisten?
a) Mit der Person zusammen die Schmerzen/Krankheit/Leid zu verteufeln.
b) Die Person zu bemitleiden und zu bemuttern.
c) Die Person zusammen mit ihrem Leid so anzunehmen und zu lieben.

Stell dir vor du wirst sogar um deines Leidens willen geliebt. Jemand sieht wie viel Liebe in deinem Leid steckt, denn: Nur wer liebt, der kann leiden. Kannst du dieser jemand sein? Der andere Weg wäre sonst eine Trennung von den Gefühlen, Gefühlslosigkeit.

Das Ego „überwunden*“/transformiert, aber das Leid ist immer noch da?

Weiter oben habe ich etwas Ernüchterndes gesagt, nämlich nachdem man das Ego „überwunden*“ hat, das Leid weiter existiert. Jedoch wäre es richtiger es so formulieren: Das Ego ist transformiert und noch da (siehe die *-Erklärung). Wichtig zu wissen ist, dass es dann eine ganz andere Qualität von Leid gibt. Bei diesem Leid spürt man sofort die tiefe Liebe darin und ist nicht so schrecklich verzweifelt und gelähmt. Viel mehr spürt man die Kraft darin und die Fähigkeit diese Kraft in etwas Freudvolles zu verwandeln. Die Energie die einst bis dahin in Ablehnung für das Leid floss, wird nun nutzbar für die Umwandlung des Leides. Nur mit der vollen Liebesenergie ist es uns möglich negative** Dinge in positive** Dinge zu verwandeln
Nur mit dem Einklang von Herz und Ego, ist dieser Wandel, den sich so viele Menschen wünschen, möglich.

Wie nimmst du Leid wahr? Wie weit kannst du es ertragen? Wie denkst du über das Ganze? Wenn du etwas zu dem Blogartikel sagen möchtest, dann lass doch gern ein Kommentar da, würde mich sehr freuen :-)
Im nächsten Blogartikel versuche ich dann zu erklären wie man Zerstörung und Leid positiv sehen kann und warum es essentiell für das Leben ist.

Passend zu dem Thema habe ich vor einiger Zeit auch folgenden Blogartikel geschrieben: Was wäre wenn „zu leiden“ der Sinn des Lebens wäre?

Wenn du erfahren möchtest wann ein neuer Blogartikel von mir online kommt, dann trage dich im Newsletter ein und ich gebe dir via E-mail Bescheid :-)

Link zum Buch (Amazon):

*Ich denke man kann das Ego nicht überwinden, man kann nicht ohne Ego sein, im Sinne von: Das Ego über Bord werfen, es ablegen, es zerstören. Sondern man behält das Ego, es ist jedoch dann gesund und ausgewogen und im Einklang mit unserem Herzen. Wie denkst du darüber?
** Wobei in dem Kontext Wörter wie „negativ“ und „positiv“ bereits verhindernd wirken, aber mir ist bis jetzt keine bessere Ausdrucksweise eingefallen und ich glaube dass es allgemein ein Problem der (meiner?) Sprache ist, tiefe Erkenntnisse nicht ausdrücken zu können, aber wahrscheinlich muss das so sein. Manche Dinge kann man eben nicht erklären :-).

About the author

Denise
Denise

4 Comments

Leave a comment
  • ja…deine Kommentare gefallen mir gut. Selber schürfe ich tief und tiefer bzw. das Leben zeigt mir das mir nur dies ein Gefühl von tiefstem Wohlbefinden (?) gibt.

    Kürzlich bekam ich einige Bücher geschenkt und ..siehe Da : Pema Chödron …Liebende Zuwendung und auch Sie sagte das …oder ja, …“was ist wenn das Leben aus Hindernissen besteht“?

    Wow…da war ich erstmal baff denn ich versuchte Hindernisse immer zu vermeiden.

    Alles Gute auf Deinem Weg wünscht Dir Susanna

    P.S. Im Moment mache ich 6 Wochen Fastenzeit….das heisst ( denn ich neige dazu ein oder zwei Glas Wein zu trinken wenn die Hindernisse unüberwindlich erscheinen) keinen Alkohl und keine Zigaretten ( ich glaube es ist schon lange her dass ich solange keinen Alkohol mehr getrunken habe. Gott stehe uns bei !

    • Hallo,
      ja ich dachte auch immer in einem glücklichen Leben müsste alles glatt laufen, dabei besteht ein glückliches Leben daraus die Hindernisse im Leben (die einfach immer wieder da sind) zu meistern, daraus zu erwachsen, stärker und weiser zu werden.
      Ich wünsche dir auch alles Gute auf deinem Weg und eine gute Fastenzeit <3
      Liebe Grüße
      Denise

  • Hallo Denise. Hab gerade mich selbst ein wenig gegoogelt weil ich was gucken wollte und dabei deinen tollen Blog entdeckt auf dem du auch mein Buch empfiehlst. Das hat mir ein Lachen ins Gesicht gezaubert und mich berührt :) vielen dank dafür.
    Liebe Grüße aus Passau.

    Marina Widegger

    • Hi Marina,

      das freut mich zu hören :-)
      Ja, dein Buch war so prägend für mich, es hat mich damals in die richtige Richtung geschubst, vielen Dank dafür!

      Liebe Grüße
      Denise

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Copyright © 2014. Created by Meks.