Die Geschichte vom traurigen blauen Vogel

Vor langer Zeit gab es auf einer kleinen Insel, nahe von Madagaskar, einen ebenso kleinen, aber sehr bekannten und beliebten Vogelpark und die Hauptattraktion war ein wunderschöner, blau schimmernder Vogel. Jeder der diesen Vogel sah war fasziniert von seiner Schönheit und Eleganz, zudem war es der einzige Vogel dieser Art den es weit und breit für Menschen zu sehen gab. Keiner kannte diese Vogelart und in dem Vogelpark wurde er „Das blaue Wunder“ genannt, nicht nur weil er unglaublich schön war, sondern auch auf eine ganz gewisse Art und Weise, Ruhe und Frieden in Menschen auslöste die ihn länger anschauten.

Doch eines Tages hörte der Vogel auf einmal auf zu fressen. Es gab viele Untersuchungen und die besten Tierärzte der Gegend wurden herbestellt, doch leider ohne Erfolg, keiner fand eine Erkrankung oder Ähnliches. Die Zeit drängte und der Vogel wurde immer schwächer, bis ein Vogelparkbesucher den Leiter des Parks auf einen Vogelflüsterer aufmerksam machte. Der Parkleiter lachte, aber es war wohl die letzte Hoffnung die sie hatten und so luden sie diesen Vogelflüsterer ein, der wie sich heraus stellte, eine Frau war. Der Vogelparkleiter begrüßte die Dame freundlich, sie hieß Molly und führte sie zu dem Vogel.

Molly’s Augen wurden groß als sie den Vogel erblickte, sie war total fasziniert von dem Vogel, gleichzeitig wurde sie aber auch todtraurig. Dann begann sie mit dem Vogel zu sprechen:
„Hallo, mein Name ist Molly und erschrick nicht dass ich mit dir reden kann, es ist meine Gabe.“ Der Vogel zuckte zusammen und starrte sie einige Sekunden an. Er öffnete nicht seinen Schnabel und sprach, wie sie, quasi über Gedanken mit ihr. „Hallo, ich habe noch nie mit einem Menschen gesprochen, ich, ich bin gerade sehr verwirrt.“ „Ich bin hier um herauszufinden warum du nichts mehr frisst, alle haben Angst dass du sterben könntest.“ Der Vogel senkte den Kopf und sagte: „Vor einigen Tagen überkam mich eine übergroße Trauer, sie ist so groß dass ich nicht mehr essen mag.“ „Und worüber bist du so traurig?“ „Vor ca. 3 Jahren hat mich der Parkleiter mit seiner Frau mit wunderbar schmeckenden Futter angelockt, ich konnte nicht widerstehen es roch so köstlich, gleichzeitig wusste ich, dass ich mich in Gefahr begebe, denn das Essen roch auch nach Mensch. Als ich dann aber hier war, merkte ich, dass keine Gefahr hier für mich bestand, jedoch musste ich von dann in einem großen abgesperrten Park leben. Eine Weile kann man sich daran gewöhnen, vor allem wenn man leckeres Futter bekommt, aber dann…“

Der Vogel fing an zu schluchzen und senkte den Kopf noch mehr. Doch plötzlich richtete er sich auf und weitete seine Flügel so weit wie er konnte. „Siehst du meine Flügelspannweite? Ich habe so viel Energie in meinen Flügeln und ich kann nur im Kreis hier fliegen. Ich vermisse die Zeit wo ich einfach losgeflogen bin und über den Wipfeln der Bäume geglitten bin, ich bin geflogen so lange wie ich mochte und konnte. Ich wünsche mir wieder so lange zu fliegen, bis mir die Puste ausgeht und ich irgendwo lande und mir dann selber was zu fressen suche, verstehst du?“ Molly nickte. „Und mir fehlen meine Artgenossen, ich verstehe mich hier nicht so gut mit den anderen Vögel, sie sind ganz anders wie ich. Wenn dem Parkleiter etwas an mir liegt, dann soll er mich freilassen.“ Molly nickte wieder und drehte sich zu dem Vogelparkleiter und erzählte ihm was sie gehört hatte. Der Leiter wurde eine Weile stumm, doch dann sagte er: „Ich wusste schon immer er ist ein sehr besonderer Vogel und er ist hier nicht richtig aufgehoben. Für mich ist es wichtiger in fröhlich weg fliegen zu sehen, statt noch einen weiteren Tag leidend. Er ging zum Gehegentür und machte sie weit auf und ging raus.

Der blaue Vogel schaute Molly an und dann auf die Tür. „Er hat gesagt er lässt dich frei, lieber sieht er dich einmal fröhlich davon fliegen, als noch einen weiteren Tag leidend.“ Der Vogel hüpfte aufgeregt zur Tür und gackerte fröhlich. Langsam überschritt er die Schwelle, als er draußen stand schaute er sich einige Sekunden um, schaute noch einmal Molly an und den Parkleiter und stieß sich mit einem großen Schwung vom Boden ab. Die Flügel fingen an zu schlagen und man sah wie er übermütig ein paar Runden drehte, bis er schließlich gen Osten mit langen Flügelschlägen wegflog. Der Parkleiter hatte noch nie so etwas Schönes gesehen. All die Jahre zuvor hatte er immer den Vogel vor lauter Schönheit angestarrt und über ihn meditiert, doch jetzt sah er erst wirklich seine wahre Schönheit, die Schönheit der Freiheit in seinem Fügelschlagen und wie die Sonne auf seinem blauen Gefieder gleißend reflektiert, ganz anders wie sonst.

Dies ist meine erste Kurzgeschichte. Ich habe vor einiger Zeit genau diese Geschichte geträumt, nicht komplett, nur den Teil wo die Frau zum traurigen Vogel kommt und er ihre Flügel zeigt. Nach dem Aufwachen sind mir dann die anderen Teile von der Geschichte zugeflogen und natürlich beim Schreiben. Ich war anfangs etwas unsicher ob ich diese Geschichte hier auf den Blog veröffentlichen soll, aber eigentlich ist diese Geschichte genau wie jeder andere Blogartikel hier, nur in einer Geschichtsform.

Wie findest du die Geschichte? Mich würde sehr interessieren wie du die Geschichte interpretierst, welche Rollen spielen für dich der blaue Vogel, Molly und der Parkleiter?

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Denise
Denise

2 Comments

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  • Wow eine super schöne verspielte Geschichte. Da muss man erstmal drauf kommen. Vogelpark nahe Madagaskar hihi phantasievolles Setting. Und es ist spannend zu lesen – man möchte die ganze Zeit wissen wie es ausgeht. Und dann hat es mich gerührt mir den Vogel in seiner Traurigkeit vorzustellen. Du willst meine Assoziationen wissen? Ich denke an das Gefängnis der Arbeitswelt. 40 Stunden im Büro und es wird kontrolliert dass man ja nicht länger als ne halbe Stunde draußen ist.
    Da soll man mit alt werden ? : / Naja es gibt Alternativen…

    • Hihi Danke :-)
      Ohja zu viel Arbeit und zudem noch der falsche Beruf, das kann die Seele nur tief traurig machen, aber ja, es gibt immer Alternativen, man muss nur Mut haben und sich trauen.
      Viele liebe Grüße

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