Lerne das Schlechte UND das Gute loszulassen

Wie oft habe ich mich gefragt warum ich den bloß noch immer an negativen Dingen so sehr festhalte und sie nicht loslassen kann. Wie oft bin ich an mir selbst verzweifelt, bis ich vor kurzen diesen, bereits bekannten, Gedanken spüren konnte.

Also ich wusste schon länger, dass ich irgendwie an schönen und guten Dinge mich krampfhaft festhalte, weil meine Angst davor, sie für immer zu verlieren, riiiiesig ist. Ich wusste auch schon länger, dass es einfach keinen Sinn macht und dass das krampfhafte Festhalten das Schöne vertreibt, es bewirkt genau das Gegenteil und trotzdem hatte ich keinen Zugang zu diesem wichtigen Thema.

„Es war ein so grässliches Gefühl…“

Vor kurzen hatte ich dann eine Situation mit jemanden wo ich dachte „Wow, gerade ist es einfach nur schön und ich genieße den Moment“ und ich merkte, dass ich diesen Moment länger halten wollte, jedoch war eigentlich in dem Moment in mir nichts mehr da und ich hatte auch wirklich nichts mehr zu sagen, aber da ich diesen Moment doch irgendwie festhalten wollte, versuchte ich krampfhaft ein neues Gespräch zu beginnen und merkte dabei, wie ich zu einer kontrollierenden und machtausübenden Person wurde, die alles eben unter Kontrolle habe wollte. Und ich fühlte dieses grausame Verhalten und ich fühlte mich plötzlich so schlecht und mies. Es war mir sehr peinlich dass ich auf einmal mich so verhielt, denn so was möchte ich keinen Menschen antun, also ihn kontrollieren oder manipulieren, so wie es sich mein verletztes Herz wünscht, es ist für mich ein falscher und verzweifelter Wunsch und  kein reiner und bedingungsloser Wunsch.. Auch wenn das wahrscheinlich überhaupt nicht bei der anderen Person bewusst so rüberkam, so spürte ich bei mir diese Strukturen. Ich empfand eine riesige Scham und Trauer darüber. Es war ein so grässliches Gefühl, aber dadurch verstand ich nun endlich emotional, dass es eine wirklich sehr blöde Idee ist schöne Dinge/Situationen festzuhalten.

Wenn ich daran denke, dass so was bei mir immer wieder auf unterbewusster Ebene abläuft, bin ich echt erstaunt wie mein Körper das alles so meistert. Diese ganze Emotionen zu unterdrücken ist ein riesiger Kraftakt und dass ich mich dann auch noch immer wieder über meine körperlichen Symptome ärgere und zum Teil auch noch mal schäme….., bin ich heute echt grad mal beeindruckt. wie ich das überhaupt alles hinbekomme :O und auch merke ich, dass ich mich selbst total sinnlos kontrolliere statt einfach zu sein.

„Man will sich ja am liebsten im Boden versenken…“

Doch es ist momentan nun einfach so und der erste Schritt ist es dies anzuerkennen und das Gefühl immer mehr zu fühlen und nicht gleich wieder verdrängen zu wollen. Wie man sich vorstellen kann ist es nicht so einfach Schamgefühle auszuhalten, dieses Gefühl ist so Aaaaaahhhh! Man will sich ja am liebsten im Boden versenken oder den Tarnumhang von Harry Potter um schmeißen, Hauptsache sofort verschwinden… die Scham trifft einen tief im Herzen, denn dahinter steckt die Angst vor der Ablehnung des Verhaltens oder noch schlimmer des eigenen Seins.

Ich hatte auch Angst in der oben genannten Situation abgelehnt zu werden, ich merkte dass dies nicht eintraf und ich bin total dankbar dafür und trotzdem fühlte ich mich miserabel und ich merkte, dass ich mich für mich selbst schämte. Ich schämte mich meiner Selbst wegen. Ich schämte mich für etwas was ich einfach in dem Moment nicht anders machen konnte, ich schämte mich dafür, dass ich so kontrolliert und verzweifelt war. Ich habe es so unendlich satt, ich bin dieser elendigen Scham so müde und leid, ich will aufgeben, ich will sie nicht mehr bekämpfen, verdrängen oder runterspielen, ich bin endlich soweit sie sein zu lassen.

Ich wünsche mir so sehr nicht immer alles kontrollieren zu müssen – keine Kontrolle:

Keine Kontrolle darüber haben wann etwas Schönes kommt und wann es geht.
Keine Kontrolle darüber haben ob sich das Schöne für einen „entscheidet“.
Keine Kontrolle darüber haben ob überhaupt etwas Schönes in mein Leben kommt.

Wenn ich aufhöre das Schöne zu kontrollieren, höre ich auch auf das Schlechte zu kontrollieren und beides darf sein, beides bekommt seinen Raum und Platz, damit es gelebt werden kann. Das Gleiche gilt also auch für das Schlechte:

Keine Kontrolle darüber haben wann etwas Schlechtes kommt und wann es geht.
Keine Kontrolle darüber haben ob sich das Schlechte für einen „entscheidet“.
Keine Kontrolle darüber haben ob überhaupt etwas Schlechtes in mein Leben kommt.

Oder kurz gesagt: Das Leben einfach sein/passieren lassen – nicht so viel nachdenken, intuitiv tun wir immer das Richtige, auch wenn wir es im ersten Moment manchmal nicht glauben können. Nicht nachdenken was man fühlt, sondern fühlen was man fühlt und das leben. Hätte ich das gelebt was ich gefühlt habe, dann hätte ich in der Situation mich einfach verabschiedet und es wäre gut gewesen, ich wäre aus der Situation gegangen wo es schön war und hätte mich einfach auf das nächste Mal gefreut.

Dabei muss ich an den Spruch denken: „Man soll gehen wenn es am Schönsten ist“. Ich fand den Spruch eigentlich immer mega doof, warum sollte man gehen wenn es gerade so schön ist? Vielleicht weil es einfach ok ist, denn wenn man von etwas gehen kann, was sehr schön ist, dann hat man keine Angst davor, dass es nicht wiederkommen würde. Nur der, wer Angst hat, dass so etwas Schönes nicht noch einmal wieder kommt, wird krampfhaft versuchen daran festzuhalten und wird leider mit dem krampfhaften Festhalten genau das Gegenteil bewirken bzw. das Schöne in etwas Leidvolles verwandeln und nicht in etwas Wundervolles.

Das Schlechte loslassen?

Ich habe nun gemerkt dass ich Angst habe, dass das Gute nicht wieder zurück kommt und ich (unbewusst) denke die Lösung dafür das Festhalten ist. Da die Gefühle immer einen Gegenpol haben, spielt sich das Gleiche auch unbewusst auf der anderen Seite wieder: Ich kann das Schlechte nicht loslassen. Nur wenn ich jetzt lerne das Gute loslassen zu können, so kann ich dann auch endlich lernen die schlechten Sachen loszulassen – wenn ich loslasse habe ich beide Hände frei und merke wie sehr sie vom verkrampften Festhalten schmerzen, doch auch dieser nachträgliche Schmerz geht irgendwann, denn ich kann auch diesen nun endlich loslassen :-)

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Foto © Henning Hraban Ramm / PIXELIO

About the author

Denise
Denise

2 Comments

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  • Liebe Denise,
    was für ein toller Beitrag – und Blog :)

    Was für ein interessanter Gedanke, dass man etwas Gutes nicht loslässt, aus Angst, dass es nie wiederkommt!
    Ich glaube, das könnte für meine Situation zutreffen. Ich frage mich, wieso ich nichts mehr fühlen kann, habe aber gleichzeitig Angst, dass ich nie wieder für jemanden so viele Gefühle empfinden kann, wie für meinen Exfreund – dadurch halte ich ja unterbewusst weiter an ihm fest, da er mein Idealbild von Liebe war und ich Angst habe, dass kein Anderer da ran kommt. Bzw. ich den Anderen die Chance gar nicht gebe….

    Wow! Danke für diesen Gedankenanstoß.

    Fühl dich gedrückt,
    Monya :)

    • Liebe Monya,

      freut mich sehr dass ich dich mit dem Artikel inspirieren konnte und ich freu mich schon darauf deinen Artikel zu dem Thema zu lesen :-)

      Dito ;-) dein Blog hat mir auf Anhieb gefallen und deine Artikel finde ich sehr inspirierend, besonders das Thema „Allein reisen“ find ich spannend, vor allem weil ich darüber seit ein paar Wochen nachdenke :-)

      Fühl dich auch gedrückt*
      Grüßis
      Denise

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