Lerne wie du dich von (unbewussten) Opferrollen befreien kannst

Wer kennt nicht dieses beschissene Gefühl des „Opfer-Daseins“?! Man fühlt sich verletzt, unfair behandelt, beschämt, gedemütigt und klein. Und immer wieder pocht der Gedanke in uns, der oder die andere ist Schuld oder gar die ganze Gesellschaft und man empfindet Wut und Trauer zugleich. Ein Zustand der uns lähmt, wenn er an uns haften bleibt. Doch warum können wir so oft nicht nachgeben, verzeihen, vergessen? Warum fühlen wir uns noch Jahre später schlecht und wertlos, mit ganz viel Groll und Wut im Bauch?
Weil wir in der Vergangenheit quasi festhängen. So wie wir oftmals in der Vergangenheit keine Chance hatten irgendetwas an der Situation zu ändern, so denken wir noch heute das wir keine Möglichkeit haben etwas zu ändern.

„Im Grunde mache ich mich von der Person abhängig und jetzt geht es darum mich unabhängig zu machen…“

Momentan bin ich auf eine Person sehr sauer, weil ich denke dass sie mein Leben negativ beeinträchtigt, diese Person macht mich jeden Tag wütend und ich fühle mich als Opfer dieser Person – die Person ist Schuld dass es mir schlecht geht. Die Person an sich ist völlig in Ordnung, ich mag sie rein theoretisch aber praktisch gibt es da halt so Sachen die mich mega nerven. Ich habe mich jetzt sogar sehr lange bewusst damit rumgeschlagen dass diese Person meine Lebensqualität einschränkt, obwohl ich ja weiß dass ich selbst für mein Empfinden verantwortlich bin.
Heute habe ich aber das erste Mal sehr intensiv gespürt, dass ICH einfach nur Entscheidungen treffen muss und mich dafür aber auch nicht schämen oder schlecht fühlen brauche. Im Grunde mache ich mich von der Person abhängig und jetzt geht es darum mich unabhängig zu machen, denn: Opferrollen machen abhängig!

Da wir als Opfer abhängig sind, sind wir auch permanent unzufrieden und wütend mit uns, weil wir einfach nicht so handeln können wie wir wollen, nichts kann man tun oder denken ohne den Täter im Hinterkopf zu haben. Sehr oft ist es sogar so, dass uns die Opferrolle(n) gar nicht bewusst sind, hier ein paar typische Opferrollen:

1. Schüler/Schule: „Laut meinen Noten bin ich ein Loser!“
2. Partnerschaft: „Nie kann ich es ihr/ihm Recht machen!“
3. Familie: „Ich bin die Jüngste, auf mich hört ja eh keiner!“
4. Arbeit: „Wegen dem Job mache ich mir noch meinen Rücken kaputt!“
5. Körper/Medien: „Ich fühle mich so hässlich, ich habe einfach keine schlanke Figur!“

In allen 5 Beispielen geben wir anderen die Schuld für unsere negativen Gefühlen, auch wenn Dinge real existieren, sich darüber aufzuregen bringt uns leider nur weiter von uns selbst weg.

Opfer ist man, wenn „die anderen“ Schuld sind: die Schule, der Partner, die Mutter, der Kollege, die Medien usw.

So wahnsinnig wütend uns Täter machen, so wütend werden wir auch auf uns selbst, weil wir wertvolle Energie für Wut verschwenden und wir dann weniger Energie für Dinge haben, die uns Spaß machen und die uns erfüllen. Wir werden wütend auf uns selbst, weil wir es nicht schaffen glücklich zu sein oder zu werden, weil einfach die Energie dafür nicht da ist. Das macht uns dann schlussendlich auch noch traurig und wir leiden an unserem unerträglichen Zustand.

Damit die gesamte Energie für das Positive in unserem Leben genutzt werden kann, müssen wir uns von den Opferrollen verabschieden und ganz klare Entscheidungen treffen, die erste wäre:

1. Ich möchte kein Opfer mehr sein. Ich möchte verstehen warum ich das Gefühl des „Opfer-Seins“ nicht beenden kann und wie ich die Möglichkeit habe da heraus zu kommen.

Ich erkläre den Prozess in einem Beispiel:

Ich habe den „Opfer-Glaubenssatz“: Andere finden mich doof, ergo: andere sind Schuld dass ich mich schlecht fühle.
Durch das Frage-Tool von Byron Katie „The Work“ habe ich nun folgende Sachen herausgefunden:
(„The Work“ ist bei mir meistens die Antwort auf Probleme im Leben, mehr Infos zum Tool findest du hier: Was ist „The Work“ von Byron Katie und wie funktioniert es?)

Ich denke zwar viele mögen mich wohl nicht und ich fühle mich dann als Opfer der Gesellschaft (die anderen sind Schuld, sie machen mich zum Außenseiter, sie mobben mich) aber im Grunde bin ich diejenige die ja auch viel andere „doof“ findet. Als mir das bewusst wurde, wurde ich innerlich ganz still, kein wütender Grollzwerg hüpfte durch meinen Bauch, sondern ein Gefühl des Verständnisses kam in mir hoch. Das was ich von anderen dachte, lebt auch in mir! Auch wenn ich dies nie zum Ausdruck bringe, aber heimlich tue ich oft Leute abwerten und dann schäme ich mich für mich selbst, weil ich dann merke, dass ich mich grad selbst dadurch erhöhen wollte, mich besser fühlen wollte. Autsch! Ich merkte ich bin auch ein Täter, zwar ein stiller Täter, aber ich bin einer. Ich habe die Gedanken und Gefühle, nur tue ich es nicht ausleben. Und das vielleicht Schlimmste an der Sache ist, dass ich raus fand, dass ich auch mich selbst irgendwie doof finde. So denke ich oft, dass ich nicht so bin wie ich gern wäre, ich besitze nicht die Fähigkeiten, nicht genügend Geld oder den Traumkörper den ich gern hätte.
Und hier kommt meine Chance, mein Möglichkeit zu handeln und mich zu entscheiden:
Würde ich mich nicht doof finden, hätte ich keinen Grund andere doof bzw. noch doofer zu finden um mich irgendwie aufzuwerten – Die Mission Selbstliebe war geboren :-)

Vielleicht kannst du es schon erahnen, man kann sich nur von der Opferrolle lösen indem man den eigenen „Täteranteil“ entdeckt und Verständnis für den eigenen „Täteranteil“ und „Täter“ entwickelt. Das ist wohl in solch reinen Gefühlsdingen wahrscheinlich einfacher, als bei Fällen wo Menschen auch körperlich verletzt wurden, jedoch habe ich nur mit dieser Methode wirklichen inneren Frieden finden können. Denn das Wichtigste an der ganzen Sache ist Verständnis zu erlangen, ohne ein Verständnis warum andere so sind wie sie sind und man selbst, kann man nicht verstehen, ankommen und Frieden finden und um dahin zu gelangen nutze ich immer das Frage-Tool „The Work“ von Byron Katie.

Ich denke alle Opfer werden auch zu Tätern, entweder zu Täter die dies auch ausleben oder zu Tätern die es verbergen und nur die Gedanken hegen oder verdrängen. In uns schlummern immer beide Seiten: Gut und Böse, keiner kann sich davon frei sprechen. Auch macht es keinen Sinn zu sagen „aber der hat angefangen“, damit lenkst du die Energie auf die Vergangenheit, sei JETZT die Veränderung, die die Vergangenheit vergangen macht und nicht noch mehr Energie gibt, sonst bist du wie dein „Vorgänger“ und der davor und der davor und…
Wenn wir nun endlich aufhören das Böse zu bekämpfen und stattdessen Verständnis erlangen und dies auch zeigen, fühlt sich auch das Böse verstanden und akzeptiert und wenn es keinen Gegner mehr für das Böse gibt, hat das Böse auch keinen Grund mehr gegen das Gute zu kämpfen – Frieden kehrt ein.

Wenn du erfahren möchtest wann ein neuer Blogartikel von mir online kommt, dann trage dich im Newsletter ein und ich gebe dir via E-mail Bescheid :-)

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Denise
Denise

2 Comments

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  • Das Leben ist das was du daraus machst , jedoch auch das was es aus dir gemacht hat. Mit diesen Worten will ich meinen Kommentar beginnen bei diesem sehr schwierigem Thema.

    Ohne Zweifel gibt es die eigene Opferhaltung , weil es viel einfacher ist anderen die Schuld für seine Gefühle oder Lebenssituation zu geben , als sich selbst zu ändern.

    Auf der anderen Seite wird in diesem Blog auch das Mobben und andere “ doof“ finden als auch eine Art Täterhandlung angesprochen aus einer eigenen Opferhaltung heraus.

    Dieses Thema hat vielschichtige Einzelbeispiele.

    Alg. will ich zusammenfassend Aussagen:

    Wenn ein Mensch durch seinen Charakter oder alg seine Art. niemanden Schadet und trotzdem von der Gesellschaft oder speziell in der Klasse gemobbt wird, dann hat dieser Mensch zurecht den Anspruch zu sagen “ ich bin ein Opfer und ihr seit die Doofen “

    Oft werden stille , grüberische Tagträumer oder nicht dem Schönheitsideal aussehende Menschen zu Aussenseiter erklärt und gemobbt.

    Aus diesem Grund sage ich

    “ Die Welt ist schlecht , weil schlechte Menschen voller Selbstvertrauen sind und gute Menschen voller Selbstzweifel “

    Trotz einer gewissen Richtigkeit des Blog auf die eigene Opferverschuldete Haltung hinzuweisen, finde ich wäre es richtig eher den Tätern speziell beim Thema Mobbing mehr das Selbstvertrauen zu nehmen , als den Opfern noch mehr Selbstzweifel auf zu bürgen.

    • Hallo Michael,

      vielen Dank für deinen Kommentar :-)
      Ich weiß was du meinst und es ist richtig. Ich wollte in dem Artikel nur diese eine Seite beleuchten, weil es auch meine eigene Geschichte ist und ich kann sie nur so schreiben, wobei ich auch andere Sichtweisen verstehe.
      Ich war von meinem Charakter und meiner Art ok, aber Ich habe in einem großen Ausmaße die Menschen abgelehnt, was mir einfach nicht zu gute kam, weil das andere Menschen unbewusst wahrgenommen haben und mich dann auch abgelehnt haben, außer sie waren selbst sehr bewusst und verstanden es und das Ganze wirkt noch bis heute aber ich kann immer mehr daran arbeiten und ich entwickle mehr Liebe zu den Menschen <3

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