Sinnlose Angst und die Bestrafung dafür

Kennst du das, du bist irgendwo unterwegs und bekommst Angst oder Panik und weißt gar nicht so genau warum? Alles ist gut, du bist sicher und keiner bedrängt dich und trotzdem kommt so ein beschissenes Gefühl hoch? Heute habe ich das in der Post erlebt, als ich in der Schlange stand. Aber fange ich mal etwas früher an. Ich war auf dem Weg zur Post und ich hatte einen schnellen Schritt drauf. Nicht dass ich es mega eilig gehabt hätte, sondern weil ich grad Lust darauf hatte und es so ein bisschen mein momentaner Joggingersatz ist. Kurz vor der Post biegte ein jung gebliebener Mann vor mir auf den Gehweg und hatte einen noch schnelleren Gang als ich drauf. Er steuerte auch die Post an. Trotz seiner Eiligkeit hielt er die Tür von der Post für mich auf, obwohl ich noch einige Meter entfernt war. Damit er nicht „zu lange“ warten musste, tippelte ich laufend das letzte Stückchen zur Tür und bedankte mich. In dem Bereich für die Warteschlange stand eine Person, dann kam er und dann ich. Die Frau vorne war dann auch recht bald dran an eine der 2 geöffneten Schalter. Nun wäre er als nächstes dran gewesen aber es waren noch 2 weitere Personen in der Post, die wohl vorher schon an dem Schalter waren und etwas an der Adresse etc. ändern mussten und nun soweit waren es abzugeben. Jedenfalls kam also er nicht als nächstes ran, sondern die 2 Personen. Hinter uns kamen ca. 3-4 neue Kunden in die Warteschlange. Ich hatte plötzlich das Gefühl, dies würde ihm alles zu lange dauern und er ist genervt und urplötzlich merkte ich, dass ich mich aus einen „weiß ich warum Grund“, dafür schuldig fühlte. Ich habe die Schuld auf mich genommen, für etwas womit ich überhaupt nichts zu tun hatte. Zudem spürte ich, dass in der Vergangenheit, ich mich wohl immer unbewusst schuldig gefühlt habe, wenn es irgendjemand anderes nicht gut ging. Und nun fühlte ich das bewusst, was immer unbewusst abgelaufen ist und war irgendwie geschockt und sprachlos. Ich habe wohl ständig Angst davor in irgendeine Schuldsituation zu kommen (damit scheinen wohl auch die abwegigsten Möglichkeiten, wie hier in diesem Fall, in Frage zu kommen), weil es ein für mich schier unaushaltbares Gefühl ist, so richtig gemein und runterziehend, so dass man sich hunde-elend fühlt. Mir wurde richtig klar warum ich nie richtig zur Ruhe kam, ich habe irgendwie für alles die Schuld auf mich gezogen, unglaublich. Wozu dieser Quatsch? Indem ich mich schuldig mache, helfe ich doch niemanden oder doch? Zu dieser Frage werde ich noch einen Artikel schreiben. Wir gehen daher jetzt davon aus, das wir die Kern-Ursache nicht wissen.

Komme ich nun wieder zur Postsitutation zurück. Am Tag davor, wurde mir die Problematik mit der Bestrafung (aber noch nicht in diesem Kontext) in einer sehr emotionalen Situation bewusst und ich versuchte nun zum ersten Mal in so einer Situation mich nicht dafür innerlich zu bestrafen, dass ich in der Postfiliale Angst bekam für etwas, wofür ich nichts konnte, Angst davor an etwas schuld zu sein. Und es funktionierte. Es war nicht ganz weg aber ich merkte wie ich mich beruhigte. Gleich merkte ich aber auch, dass ich mich schon wieder bestrafen und schlecht machen wollte, da ich es nicht schaffte mich komplett zu beruhigen und einfach cool zu sein und wieder versuchte ich emotional mich nicht zu bestrafen sondern einfach ich zu sein und es gut und ok zu finden. Für das Ganze benutzte ich ein Bild, welches ich am Vortag bei dieser emotionalen Sache in mir hoch kam. Und zwar sah ich ein kleines Kind, so ca. 2-3 Jahre alt und es wurde von seinen Eltern beschimpft und bestraft (verbal und emotional) für etwas was das Kind nicht verstand, es fühlte sich bestraft dafür dass es einfach es selbst war (weil es ja nicht verstand um was es denn sonst gehen könnte). Dies kann als Kind oder auch Jugendlicher passiert sein und wir waren damals in einer Lage, in der wir abhängig waren, aber heute haben wir es selbst in der Hand. Heute sind meist wir selbst, die uns selbst beschimpfen und runtermachen wegen dem wie wir selbst sind. Kein Mensch hat mir in dieser Postfiliale die Schuld an irgendwas gegeben, dass war nur ich, so idiotisch wie es war. Ich habe nun endlich mir diese dumme Angst erlaubt und mich nicht dafür bestraft dass ich sie habe. Es ist schwierig so was zu beschreiben aber vielleicht kannst du es ein wenig nachvollziehen was ich meine? Ich war barmherzig und lieb zu mir selbst. Ich war in dem eben beschriebenen Bild, Kind und Eltern zugleich. Das Kind was vor etwas Angst hat aber nicht weiß warum und die Eltern, die jetzt dem Kind beistehen, es verstehen möchten, die Angst des Kindes zu lassen. Im Gegensatz zu oft sonst, wo die Angst klein geredet wird und das Kind von oben herab behandelt wird ala „stell dich nicht so an“ oder „ist doch nicht so schlimm“ und sich das Kind nicht ernst genommen mit seiner Angst fühlt und es sich daher dumm vorkommt oder schuldig dass die Eltern jetzt deswegen mit ihm/ihr Stress haben und sie sich aufregen und genervt sind.

Da diese fiesen und miesen Gefühle und Glaubenssätze unbewusst ablaufen, ist es meist sehr schwer sie sich bewusst zu machen. Sei deshalb nicht traurig wenn es bei dir nicht sofort klappt. Du wirst irgendwann den Zugang zu diesen unbewusst, automatisch ablaufenden Gedanken und Gefühlen haben und du kannst sie endlich ändern. Es gibt dafür jedoch nicht wirklich ein Trick oder Tipp, außer dass man einfach in sich reinhorcht, nicht viel denken, einfach fühlen was hochkommt. Dies Bedarf echt Übung und man kann nach den ersten Malen etwas demotiviert sein, weil einfach nichts Verstehbares hochkommt aber glaub mir, die Mühe lohnt sich! Vielleicht funktioniert das Ganze bei dir auch wesentlich schneller als bei mir (das wünsche ich jedem) oder du bist wie ich auch schon ein paar Jahre dabei den Weg zu dir zu finden und du kannst jetzt diese unbewussten Strukturen relativ schnell in ein paar Tagen, Wochen oder Monaten lösen.

Also, falls du dich irgendwann ertappst, wo du dich selbst bestrafen „möchtest“ oder eher gesagt „musst“, dann denke daran, dass du es jetzt selbst in der Hand hast und du entscheiden kannst was „Mutter und Vater“ zu dir sagen und wie sie sich verhalten. Bestrafe dich nicht und erlaube dir die Angst und sei verständnisvoll und liebevoll zu dir. Versuche rauszubekommen aus welchen noch so banalen Grund diese Angst herkommen könnte und gehe dann, in dem Moment oder später, tiefer rein und schaue ob es vielleicht mit fehlender Liebe, Anerkennung oder Annahme zu tun hat. Erlaube dir das Gefühl, fühle aber auch dass nun die Zeit gekommen ist, dass du für dich da bist, dir verzeihst und dich liebst (wenn es dir schwer fällt dass vorzustellen, dann nimm das Bild des kleinen Kindes und seiner Eltern). Mit diesen Denk-und Fühlprozess veränderst du langsam deine eingespeicherten negativen Konditionierungen, in Positive. Du entziehst damit der Angst die Energie und leitest sie an die richtige Stelle, der liebenden Stelle in deinem Körper, dem Herzen.

INFO zu den 5 Schritten:
Die Erkennung und Annahme hier der Angst vor dem sich „schuldig fühlen“, waren der 1. und 4. Schritt (alle Schritte der emotionalen Integrationsarbeit findest du im Menüpunkt 5 Schritte). Meistens ist man ersteinmal nur in der Lage den 1. Schritt zu machen, bei manchen Dingen kann/könnte man aber auch gleich den 4. Schritt hinter her anwenden (oder wenn man geübt ist), also ohne dem Hintergrundwissen aus den Schritten 2 und 3. Mache es so, wie es sich gut anfühlt.

Ich wünsche dir für die Aufdeckung negativer, unbewusster Gedanken und Gefühlen viel Kraft und Durchhaltevermögen und wenn du es geschafft hast solche unbewussten Denk/Fühlstrukturen zu erkennen oder sogar zu durchbrechen, dann lass es mich und den anderen doch gern wissen. Das macht uns allen Mut. Erzähle wo du dich sonst bestraft hast und wo du nun liebevoller mit dir umgehst. Ich freue mich über jedes Feedback.

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Foto © Martin Schemm/ PIXELIO

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Denise
Denise

2 Comments

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  • Hallo Denise,

    bin durch recht wahlloses Klicken hier gelandet. Habe glaub ich auf einen Kommentar bei Facebook geklickt, weiß es aber nicht mehr genau, weil ich die letzten Minuten ein paar Artikel gelesen habe. ;)

    Aber wie auch immer – bin froh hier gelandet zu sein. Du schreibst wirklich gut, sehr bildhaft und anschaulich und vor allem tiefsinnig.

    Das wollte ich Dir eigentlich nur kurz sagen. Also mach weiter so! ;)

    Lieben Gruß.

    Sebastian

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