Warum bestimmte Ängste nicht verschwinden

Ich könnte verzweifeln, jeden Tag die gleiche Angst, auch jetzt wo alles anders ist. Wieso verschwindet diese Angst nicht? Sie nervt mich, macht mich fertig, macht mein Leben kaputt und ist einfach nur ätzend!

Kennst du auch dieses Gefühl der Verzweiflung, wenn nach so einer langen Zeit die Angst einen doch wieder erneut packt? Wieso will diese beschissene Angst eigentlich nicht aus meinem Leben verschwinden?

Die lang ersehnte Antwort

Mir ist nun dazu endlich eine Antwort aufgefallen und ich habe, OMG, wirklich eine Entlastung in mir gespürt, nachdem ich dann auch danach gehandelt habe! Also es war so: Ich erzählte jemanden von einem Trauma was mich stark belastet und von dem eine große Angst in mir herrührt bestimmte Dinge zu tun. Irritiert schaute derjenige mich an und sagte: „Das ist doch jetzt nicht wirklich der Grund warum du dieses oder jenes nicht tun kannst, oder?“. Und ich antworte: „Ja doch, das ist der Grund.“ Dann hakte er nochmal nach, denn er konnte nicht glauben, dass das der wahre Grund sein sollte. Ich antwortet dann ebenfalls irritiert etwa so: „Hä, ja….also…was sollte denn sonst der Grund dafür sein?“ Doch er wusste darauf keine Antwort, jedoch spürte ich, dass es eine Antwort darauf gab.

Dann 2 Tage später, als ich latent über diese Frage im Bad sinnierte, kam mir die Antwort wie vom Himmel gefallen und ich konnte es nicht fassen – das sollte die Lösung sein? Sie war so scheinbar logisch und klar, dass es ein bisschen weh tat, aber ich kannte dieses Gefühl schon. Es gibt manchmal Dinge die versteht man erst ein paar Monate oder gar erst Jahre später, weil erst dann die Erkenntnis auch durch den ganzen Körper fließt und nicht nur als Gedanke durchs Gehirn. Daher kann es sein, dass diese Erkenntnis, die gleich kommt, für den einen gerade sehr hilfreich sein kann und für den anderen erst einmal gar nicht so. Aber gut, ich will nicht länger um den heißen Brei herum reden.

Die paradoxe Erkenntnis

Also mir fiel auf, dass er irgendwie recht hatte. Das Trauma war nicht alles, einen großen Fakt hatte ich ausgelassen, nämlich und dass fiel mir erst heute auf, verstecke ich mich hinter meiner Angst. Sie ist eine Ausrede oder Erklärung um etwas nicht (richtig) tun zu können, denn wenn ich es tun würde, würde ich sehr wahrscheinlich dabei scheitern oder es schlecht machen. Für mich würde dann die sehr große Gefahr bestehen von der anderen Person dafür abgelehnt zu werden (in Form von Missfallen oder Enttäuschung) UND dann (und das ist auch der springende Punkt) auch nicht mehr mit dieser Person verbunden zu sein. Dies ist nämlich meine Hauptangst, die über der Angst steht dieses oder jenes zu machen. Also, dass ich aufgrund meiner Unzulänglichkeit/Unfähigkeit nicht mehr mit der anderen Person/en verbunden bin, sondern getrennt (durch Ablehnung). Dabei ist mir wieder die Erkenntnis über das Angst-Prinzip klar geworden, die besagt:

Das wovor du Angst hast, ist bereits.

Das würde in meinen Fall bedeuten, dass ich mich bereits nicht mit anderen Menschen so richtig verbunden fühle. Das ist leider wahr, auf einer bestimmten Ebene fühle ich mich sehr oft nicht mit anderen verbunden. Also das bedeutet, ich habe vor etwas Angst, was schon in meinen Leben vorhanden ist, irgendwie ganz schön paradox, oder?

Die Angst als Schutzschild

Also meine wahre Angst ist vielmehr, dass wenn ich meine Angst überwinden würde und ich mich zeige, dass dann ein Ablehnung die NICHT aufgrund meiner Angstkomplexe herrührt, mich 1000 mal stärker treffen würde. Um diese Art der Ablehnung zu umgehen, behalte ich lieber meine Angst bzw. Phobie als Schutzschild. Diese Angst lässt mich zwar ziemlich blöde da stehen, aber sie ist viel erträglicher. Denn ich werde dann nur wegen der Angst abgelehnt und nicht wegen meiner Selbst, das tut halt kaum weh. (Wobei die Wahrscheinlichkeit der Ablehnung des eigenen Selbst bei den meisten ausgeschlossen werden kann, außer man hat wirklich assi Freunde, Partner oder Familie….) Aber unser Selbst hat in der Vergangenheit einen Schaden erlitten und auch wenn wir diesen Schaden sowas von beschissen finden, wir können ihn nicht rückgängig machen. Wir können nur jetzt damit anfangen diesen Schaden anderen zu zeigen, anderen unsere verletzliche Seite zu zeigen. Ansonsten, wenn wir tun als wäre nichts gewesen, wir den Schaden verstecken, belügen wir andere und uns selbst an und dies ist meist eine noch viel größere Verletzung, weil sie durch uns selbst verursacht wurde. Daraus resultieren dann Trauer und Wut über sich selbst, doch wir können diesen Kreislauf beenden.

Es ist echt interessant, wir machen uns über die Angst also quasi „unverletzbar“, weil wir die Angst immer als Schutzschild vor uns her tragen können. Sie dient uns als Entschuldigung oder Ausrede etwas gar nicht machen zu können oder nur sehr schlecht. Aber nur die Verletzbarkeit macht uns stark und mit uns selbst zufrieden und glücklich, wir müssen nur den Mut dafür aufwenden die Verletzlichkeit zu zeigen und das nicht nur gegenüber anderen, sondern gerade auch gegenüber sich selbst.

Versuche dir einfach mal vorzustellen, dass die Angst die du hast nichts besonderes ist. Danach stelle dir vor, dass jeder Mensch an der selben Angst leidet wie du (nur in einer anderen Form). Du wirst dann merken, dass es dir genauso wie allen anderen geht und du dich gar nicht verstecken brauchst, denn jeder kennt dieses Gefühl. Jeder hat Angst seine äußeren Ängste abzulegen und anderen seine Verletzlichkeit zu zeigen, aber dies ist der Weg für ein Leben in tiefster Liebe und Vertrauen. UND du wirst dabei merken, dass du allein dadurch schon mit allen anderen verbunden bist und die Angst vor der Unverbundenheit sich damit auflöst.
Das alles ist natürlich ein schwieriger Schritt, weil wir die Angst ja auch in den meisten Fällen dadurch erlangt haben, weil wir verletzt worden sind (oder jemand verletzt haben und wir uns jetzt mit Schuldgefühlen herum plagen). Aber wie soll ich es sagen, es führt kein anderer Weg daran vorbei.

Just Do It ^_^

Jetzt heißt es für mich Verletzlichkeit zeigen, auf Menschen zugehen auch wenn es noch so peinlich oder unangenehm enden könnte und damit meine ich anderen seine Meinung klar kund zu tun, für sich und andere einzustehen, Interesse zu zeigen oder die Liebe gestehen u.v.m. .
Naja und das habe ich dann auch kurz darauf gemacht und daraus geworden ist für mich der „Most Awkward Moment Of The Year“ ^_^ Das Tolle ist, ich kann jetzt darüber lachen. Hätte ich es vor dieser körperlichen Erkenntnis gemacht, einfach nur weil es logisch für mich klang, dann wäre diese Situation für mich heute ober peinlich gewesen (und das auch noch für die nächsten 30 Jahre, so ungefähr :D). Aber da ich heute mit einer ganz anderen Einstellung und Haltung an die Sache ran gehen konnte, habe ich mich danach so unendlich gut gefühlt. Weil ich etwas getan habe, was sich für mich richtig angefühlt hat und das war für mich in diese Augenblick das Wichtigste.
Ich habe mich in diesem Moment so verletzlich und klein gefühlt und trotzdem war es ok. Natürlich war es auch mega wichtig, dass mein Gegenüber auch ein positives und freundliches Feedback mir gab (by the way der“ awkward moment“ ist eigentlich nur entstanden, weil jemand dabei war, den ich nicht erwartet hatte). Ich glaub wir haben auch besonders vor Menschen sehr viel Angst, die uns (und wir sie) lieben, weil eine Ablehnung von ihnen uns am meisten treffen würde, aber gerade diese Menschen, wenn sie uns wahrhaftig lieben, tun uns so was nicht an.

Fazit:

Mein Fazit aus dem Ganzen und ich sag hiermit nichts Neues, aber es stimmt: Der Weg aus der Angst geht nur durch die Angst. Nur habe ich jetzt gelernt, dass ich dafür erst einmal ein bestimmtes Gefühl/Haltung dazu brauchte, sonst wäre es nur eine Abfolge von peinlichen Situationen geworden, über die ich nur lange rum gehadert hätte. Also ganz wichtig, die kognitive UND körperliche Erkenntnis und ein stimmiges Gefühl etwas zu tun und dann kann‘s los gehen sich von seinen Ängsten zu befreien. Haha, ich bin jetzt bereit weitere „awkward moments“ zu sammeln ^_^
Und ganz wichtig, falls du es nicht hast, suche dir eine Umfeld wo du dich gut aufgehoben fühlst und du offen, ehrlich und in Liebe reden und sein kannst. Ohne dem geht es nicht, du brauchst mindestens einen Menschen der dir vom Herzen wohlgesonnen ist und mit dem du wachsen kannst.

Buchtipp:
In der ganzen Zeit hat mich übrigens dieses Buch sehr inspiriert:

UND: Wer nochmal genauer das Angst-Prinzip verstehen möchte, ich habe das Angst-Prinzip anhand der Versagensangst in einem Video erklärt, hier der Link dazu: Versagensangst auflösen – Das Angst Prinzip verstehen

Wenn du erfahren möchtest wann ein neuer Blogartikel von mir online kommt, dann trage dich im Newsletter ein und ich gebe dir via E-mail Bescheid :-)

About the author

Denise
Denise

2 Comments

Leave a comment
  • Also hier wird von kleinen „Ängstchen“ gesprochen. Nichts wirklich lebensbedrohendes.
    Habt ihr mal einen Krebskranken nach seiner Angst gefragt? Wenn es wirklich um die Angst vor einem Rezidiv geht oder um die Angst bald sterben zu müssen, seine Liebsten verlassen zu müssen?
    DAS IST WAHRE ANGST.

    • Hallo Renate,

      ich habe nicht einen Krebskranken nach seiner Angst gefragt.
      Angst ist Angst für mich, egal ob sie groß, klein, berechtigt, unberechtig, diffus, klar etc. ist, Menschen leiden unter Ängsten und das egal aus welchem Grund. Ängste können (körperlich gesunde) Menschen auch in den Tod treiben, würdest du dann sagen, es wäre nicht lebensbedrohlich?

      Herzliche Grüße
      Denise

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Copyright © 2014. Created by Meks.