Was wäre wenn „zu leiden“ der Sinn des Lebens wäre?

Kein Tag vergeht an dem ich nicht in irgendeiner Form Leid erfahre. Sei es auf der Straße, im Supermarkt, auf Arbeit, in den Nachrichten, in meinem Kopf oder am eigenen Körper. Immer ist das Leid da, ich fühle Schmerzen, tiefe Trauer und Verzweiflung. So langsam denke ich, wir sind für das Leiden geboren. In mir und um mich herum, überall ist es! Warum ist das Leid überall, wenn es nicht das Leben sein sollte?

Leiden – der wahre Sinn des Lebens!?

Es wird oft gesagt das Leben ist was Wundervolles, etwas ganz Großes, was in seiner Tiefe unendliche Liebe und Frieden beherbergt. Wenn das Leben an sich so ist, warum kennen vergleichsweise nur wenige Menschen auf dieser Welt diese wunderbare Tiefe? Warum leiden Tag für Tag Milliarden von Menschen, sogar die, denen es scheinbar gut geht? Ein Paradox? Die meisten gehen doch davon aus, das Leben sei toll und voller Möglichkeiten bzw. es sollte so sein, aber was wäre wenn das Leben total scheiße ist und nur eine Sackgasse beinhaltet? Bei diesem Gedanken muss ich irgendwie lachen, weil es mein Weltbild komplett umdreht! Aber vor diesem Gedanken laufe ich, glaube ich, schon mein ganzes Leben davon. Vielleicht sollte ich mich ihm mal stellen bzw. ich habe ja bereits damit begonnen, indem ich das Leid als komplett Normales und zum Leben dazugehörendes Etwas ansehe und sogar, wie schon gesagt, als Sinn des Lebens in Betracht ziehe. Denn wenn der Sinn des Lebens Leiden wäre, dann habe ich meinem bisherigen Leben ziemlich viel Sinn gegeben…oh man ich muss schon wieder lachen :D

Mhm, irgendwie eine krasse Erleichterung, mein Leben fühlt sich auf einmal so sinnvoll an. Alles was ich bis jetzt durchlebt habe, hatte einen Sinn und macht das Leben aus. Vorher dachte ich mein bisheriges Leben war blöd, weil ich halt so viel gelitten habe und nie den tollen Sinn im Leben so richtig gefunden habe, also irgendwie nur im Kopf, glaube ich, aber vielleicht auch nicht? Mhm.

Leid, Leid, Leid, soweit das Auge reicht

Selbst wenn ich mich in meinem Zimmer umschaue, will ich schon, mit einem erschreckenden Zucken, gar nicht darüber nachdenken, bei wie vielen Produkten Menschen leiden mussten, damit es entsteht….mein Handy, mein Ikea-Stehlampe, meine Bettwäsche usw. …wahrscheinlich steckt dort überall Kinderarbeit oder andere menschenunwürdige Arbeit drin, sowie Naturzerstörung- und Ausbeutung. Selbst bei dem Dielenboden, der bestimmt aus einem vorbildlich bewirtschafteten Forstbetrieb stammt und den wahrscheinlich ein deutscher, gutverdienender Mann (bzw. Männer) gemacht hat, könnte ich daran denken, dass ihm abends der Rücken weh getan hat oder dass er generell bei dieser Arbeit, mit 50 einen kaputten Rücken hat.
Was ist mit der Bettwäsche? Die Frau die diese Bettwäsche zusammengenäht hat, in der ich jede Nacht schlafe, wie oft hat sie wohl auf Arbeit Spaß? Ist es vielleicht sogar Hohn, wenn man überhaupt darüber nachdenkt, dass sie Spaß auf Arbeit haben könnte? Und wie viel Kinder sterben täglich bei den gefährlichen Arbeiten, um an die Bestandteile für so ein Handy zu kommen? Fragen über Fragen und Bilder über Bilder in meinem Kopf.

Gehe ich an Leid kaputt?

Wenn ich dieses ganze Leid jeden Tag wahrnehmen würde, würde ich doch bestimmt kaputt gehen, oder? Ich denke so denkt jeder und verdrängt deshalb lieber diesen ganzen Scheiß, aber wenn Leiden der Sinn des Lebens wäre, dann wäre das doch sehr verwerflich das Leiden zu verdrängen. Jetzt ist es ja ok, weil man daran kaputt gehen würde, aber was wäre wenn das Leid, das Kaputt-Gehen, genau das ist was wir machen sollten? Dann gäbe es keine Ausreden mehr dem Leid aus dem Wege zu gehen, dann würde es doch jeder anerkennen oder? Das Glück und den Genuss erkennt ja jeder als Sinn des Lebens an, obwohl das für die meisten ziemlich schwierig ist zu erreichen, warum also nicht anders herum? Dann würde sich auch keiner mehr schlecht fühlen, weil er sich schlecht fühlt. Es wäre voll ok, dass es einem voll scheiße geht, yeah!

Ein Hoch auf das Leid!?

Jeder strebt nach Glück, aber irgendwie keiner nach dem Leid! Naja, macht ja durchaus Sinn, aber Menschen sind halt etwas verzwickter, komplexer als alle anderen Lebewesen, daher macht es vielleicht doch keinen Sinn!?

Keiner hat Bock auf Leid. Warum auch? Fühlt sich extrem beschissen an! Nur dummerweise bleiben Sachen umso länger, umso mehr man sie weg haben möchte, hier grüßt Das Paradox-Prinzip. In dem Artikel wird das Paradox-Prinzip nur mit den Sätzen „Ich will“ und „Ich will nicht“ erklärt, aber man kann es auch auf alles andere anwenden. Das was du bekämpfst und nicht haben möchtest, wird erst recht bleiben, weil du dem was du dir weg wünschst, all deine Energie schenkst, die Energie die du in den Widerstand dessen steckst. Indem du das Negative einmal so annimmst wie es ist, verlierst du keine Energie mehr im Widerstand leisten, sondern kannst all deine Energie dafür verwenden etwas Neues, Positives zu kreieren.

Das Paradox-Prinzip anwenden kannst du indem du deine Gedanken/Aussagen umkehrst, also:

Ich will kein Leid
würde in Wahrheit bedeuten
Ich will Leid

Indem du Umkehrungen machst offenbart sich dein wahres Gefühl über die Welt, welches du nur nicht wahrhaben möchtest und lieber verdrängst, da es zu schmerzhaft ist. Aber wenn du zu diesen Gefühlen stehen kannst, ist es auch nicht mehr so schmerzhaft und du hast die Energie das in der Welt zu ändern, was geändert gehört.

Aber was ist die Antwort auf die Umkehrung: Ich will Leid? Warum will ich denn Leid?

Ich will Leid spüren, weil ich es mein ganzes Leben verteufelt habe. Leid ist schlecht, man sollte es nicht haben und auch nicht anderen zeigen, sonst müssen andere ja vielleicht sogar mitleiden, wenn sie einem so leiden sehen und sie fühlen sich sogar überfordert und wissen nicht was sie machen sollen. Ich belaste andere damit und stelle sie, mit ihrer Überforderung/Unfähigkeit damit umzugehen, bloß und dann mögen sie mich nicht mehr. All diese Gedanken haben mich bewogen mein inneres Leid zu verdrängen, aber diese Leid ist dadurch nicht verschwunden, sondern nur nur noch schlimmer geworden.

Es ist völlig normal zu leiden. Wir werden, wie auch immer, irgendwie in unserem Leben verletzt, wer dann diese Verletzung, diese Leid für immer verdrängt, hat den Schmerz nur auf Raten in Kauf genommen, anstatt ihn einmal heftig zu erleben, aber auch diese Entscheidung war zum damaligen Zeitpunkt ok. Es ging damals nicht anders, es gab Gründe dafür. Heute können wir das mit einem neuen Bewusstsein verstehen und lösen. Der erste Schritt für mich ist hierbei das Leid nicht weiter zu verteufeln, sondern einfach mal anzunehmen und zu leben und es hilft mir momentan sehr das Leid als meinen momentanen Sinn im Leben zu sehen, so fühle ich mich wenigstens nicht mehr schlecht wenn ich mich schlecht fühle/leide.

Fazit:
Ich denke dass nur jemand der das Leid ertragen kann, es auch beenden kann. Wer es nicht ertragen kann, hat die perfekte Ausrede. Wer es ertragen kann, kann bzw. muss Verantwortung übernehmen, man kann dann auch eigentlich gar nicht mehr anders. Aber die Verantwortung zu übernehmen, davor haben wiederum sehr viele große Angst. Du merkst es schon, für einen Wandel auf dieser Welt braucht es viele mutige Menschen, von denen es glücklicherweise auch immer mehr gibt.

Gefühlt weiß doch jeder wie scheiße es auf der Welt zugeht, warum ändern trotzdem so viele ihr Verhalten nicht? Genau, weil es weh tut hinzusehen, deswegen sieht man lieber weg. Doch stehe zum Leid, nimm es an, sei mutig und übernehme Verantwortung!

Was denkst du? Wie fühlst du dich mit diesem ganzen Leid welches dich umgibt? Kannst du es sehen? Wie findest du den Gedanken, dass das Leid der Sinn des Lebens ist?
Deine Meinung zu diesem Thema interessiert mich sehr! Schreib doch gern deine Gedanken in die Kommentare, würde mich sehr freuen :-)

Wenn du erfahren möchtest wann ein neuer Blogartikel von mir online kommt, dann trage dich im Newsletter ein und ich gebe dir via E-mail Bescheid :-)

About the author

Denise
Denise

4 Comments

Leave a comment

  • Eine sehr interessante Sichtweise. Nur, wie kommt man dahin, Leid als Sinn des Lebens zu akzeptieren – es vielleicht sogar gutzuheißen? Reicht allein die Akzeptanz, dass Leid immer irgendwie ein Lebensbegleiter ist, dass es einem dadurch besser geht?
    Es ist eine Tatsache, Leid ist ständig auf der Welt irgendwo vorhanden. Man könnte so zu dem Schluss kommen, es ist der Sinn des Lebens. Aber gleichzeitig versucht doch jeder Mensch im Rahmen seiner Möglichkeiten, dem Leid zu entkommen oder es zumindest zu reduzieren. Das ist auch eine Wahrheit – und könnte somit auch der Sinn des Lebens sein.
    Hat es dir tatsächlich geholfen, Leid für dich als Sinn des Lebens zu akzeptieren? Generell für immer? Oder nur für einen begrenzten Zeitraum? Hat es sich dadurch von allein verflüchtigt – nur durch diese Akzeptanz allein?
    Ist es vielleicht nur eine individuelle Sichtweise? Oder könnte man das allgemeingültig übertragen? Könnte diese Sichtweise Menschen in Krisengebieten irgendwie weiterhelfen? Instinktiv versucht doch jeder zu fliehen, weil es gefährlich ist und ein (Über)Leben ungewiss. Könnten sich die Menschen in solchen Krisenregionen wirklich mit dem Gedanken beruhigen, dass der Sinn des Lebens Leiden ist?

  • Hi Eli,

    ja es hat mir geholfen (und hilft mir immer wieder) das Leid auf dieser Erde als etwas Notwendiges zu akzeptieren, also ich muss mich damit auch immer noch drin üben und vielleicht hört das Üben auch nie ganz auf.

    Ich sehe es als eine allgemeine Sichtweise an. Ob die Sichtweise Menschen allgemein in Krisengebieten hilft hab ich keine Ahnung. Ich denke jeder Mensch ist unterschiedlich, dem einen könnte die Einstellung helfen besser mit der Situation klar zu kommen, ein anderen würde es total niederschlagen.

    Viele liebe Grüße
    Denise

  • ….finde ich interessant. Vielleicht ist das mal ein Ansatz, damit umzugehen. Anders herum scheint es ja ( seit 45 Jahren ) nicht zu funktionieren. Und als das Schlimmste daran empfinde ich schon lange, es offen zu akzeptieren und mit anderen zu kommunizieren. .. weil dann immer dieser ( meiner Meinung nach ) fade Beigeschmack bleibt, nicht “ dankbar “ oder negativ eingestellt zu sein. . Das ist doch irgendwie nicht akzeptiert und angesehen – aber vielleicht auch wieder nur eine Spiegelung meiner eigenen ( noch fehlenden) Annahme – auch mir selbst gegenüber.
    Danke für deine Ansätze und die Seite! Silvia
    PS ich wollte eigentlich noch „alles Gute “ darunter schreiben – aber selbst das fühlt sich komisch an- weil irgendwie noch nie sich einfach alles “ gut “ angefühlt hat. .. wir Menschen haben doch noch Einiges zu tun ..

    • Hallo Silvia,

      ja, für mich war es auf jeden Fall ein Ansatz mit alle dem umzugehen. Das mit der Spiegelung kann sein, einfach mal beobachten ob sich das nicht vielleicht in nächster Zeit ändert ;-)

      Ich weiß was du meinst, aber man kann sich ja für den anderen trotzdem alles Gute wünsche, in dem Sinne:
      Alles Gute und Danke für deinen Kommentar :-)
      Denise

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Copyright © 2014. Created by Meks.